» Städtereisen
Mit schlappen 19 Millionen Einwohnern steht São Paulo auf Platz fünf der größten Städte weltweit und ist die größte Stadt in Brasilien. Trotz aller Metropolen-Atmosphäre kann der aufmerksame Besucher einige Besonderheiten und schöne Ecken in ihr vorfinden. Besonders berühmt ist São Paulo für die zahlreichen multikulturellen Einflüsse von portugiesischen, italienischen, japanischen und auch deutschen Einwanderern. Ein Beispiel dafür sind Stadtteile wie Bras oder Bexiga. In ihnen leben zahlreiche Italiener und prägen das Stadtleben durch Straßenfeste und (natürlich) viele italienische Restaurants. In São Paulo leben ca. 6 Millionen Italiener, mehr als in irgendeiner anderen Stadt auf der Welt – eingeschlossen Rom! Einmal jährlich feiert die italienische Community das “Festa de Sao Vito” mit über 60.000 Besuchern: Wer für 9 Euro für ein italienisches 5 – Gänge Menü vom Feinsten bezahlen möchte, sollte hier
vorbeischauen.
Im Stadtteil Liberdade findet man vorrangig japanische Einflüsse wieder. Wenn man Glück hat kann man dabei sein, wenn das Sternenfest (Tanabata) der Japaner gefeiert wird – auch hier gibt es Tausende von Besuchern und Angebote, die von typische Tänzen, Filmen, Dekoration bis hin zu Origami-Workshops reichen.
Auch der deutsche Einfluss ist nicht zu übersehen. Es existieren deutsche Schulen und Kindergärten, mehrere deutschsprachige Zeitschriften und immer wieder gelangt man an Plätze und Gebäude, die nach Humboldt benannt sind. Ungefähr 400000 Deutschstämmige leben im Großraum São Paulo und wer nach zuviel Reis und Bohnen urplötzlich Hunger nach Sauerkraut oder Apfelstrudel verspürt, kann in einem deutschen Restaurant Zuflucht finden. [...mehr]
Möchte man sich mit öffentlichen Verkehrsmitteln in Shanghai fortbewegen und nicht einen der unzähligen, aber langsamen Busse nehmen, bietet sich die Metro an. Jedoch ist sie nur etwas für Menschen, die nicht zur Klaustrophobie neigen, denn an fast jeder Metrostation warten Hunderte von Menschen. Es scheint, als möchte halb Shanghai unbedingt gerade jetzt fahren.
Bei über 18 Millionen Einwohnern und nur fünf Metrolinien erklärt sich dieser Andrang auch sehr schnell. In der Rushhour möchte jeder schnell nach Hause zurück, aber mit der Metro kann das in Shanghai nun mal ein wenig dauern. Die Bahn fährt ein und wenn in Deutschland die Leute wegen Überfüllung draußen stehen bleiben würden, fangen die Chinesen erst richtig an zu drängeln. Geht nicht, gibt es bei ihnen nicht und Distanz ist ein Fremdwort. Es wird gequetscht was das Zeug hält. Höflichkeit ist in diesem Fall nicht angebracht, sie lässt einen für Stunden an derselben Station stehen bleiben. Auch auf Aussteigende wird nicht gewartet, jeder, der einen Zentimeter Platz irgendwo erblickt, drängt los. Innendrin sind Haltegurte völlig überflüssig – wo kein Freiraum ist, kann auch keiner hinfallen! Hat man die sauerstoffarme Fahrt überlebt und das Glück, an einer großen Station auszusteigen, braucht man nicht herausgehen, man wird einfach von der Masse ins Freie gespült. Es ist bewundernswert, mit was für einer Ruhe die Fahrgäste sich in ihr unterirdisches Schicksal Tag für Tag begeben. Trotz Enge und Atemnot kann man als Reisender das Erlebnis Metrofahrt auch noch von einer anderen Seite sehen: Wer die Stadt wirklich kennen lernen und mit ihren Einwohnern auf Tuchfühlung gehen möchte, sollte einmal Metro gefahren sein. [...mehr]
Hotels gibt es in Großstädten wie München, Köln, Hamburg oder Berlin wie Sand am Meer. Sich aber aus der breiten Masse heraus zu kristallisieren und abzuheben ist eine ernst zu nehmende Aufgabe für Hotelmanager geworden. Die meisten von ihnen greifen auf das moderate Mittel der Produkterweiterung zurück.
Konkret bedeutet dies, dass vor allem der Service und das Angebot in den Hotels deutlich erweitert werden. Den Gästen werden Unterhaltungsshows, Veranstaltung, Wellness- und Sportmöglichkeiten angeboten. Umso mehr dem Gast zu Verfügung steht, desto attraktiver gestaltet sich sein Aufenthalt. Die Rückkehr des Gastes ist dann außerdem wahrscheinlicher.
Ein anderes probates Mittel ist der optische Reiz für den Gast. Entweder wird der Gast dank der Architektur oder dank des Interieurs für den Aufenthalt gewonnen. In den neuartigen Designhotels sind zeitgenössische Künstler am Werk, die individuelle Zimmer gestalten, die Empfangshallen zur Erlebniswelt umfunktionieren, das Hotel mit einzigartigem Mobiliar ausstatten und ganz neue Entwürfe in den Bau integrieren. Umso namhafter der schaffende Künstler, desto größer die Resonanz der Gäste.
Eines dieser Designhotels ist das Quentin Design Hotel in Berlin. Dank der aufwendigen und teils luxuriösen Innenausstattung genießt es bei den Gästen ein besonders hohes Ansehen. Egal ob Mobiliar, Geschirr, Bilder oder Accessoires – alles besitzt sein einzigartiges Design und versprüht einen Hauch von Luxus. Zudem besitzt das Hotel den Vorteil, dass die Sehenswürdigkeiten Berlins relativ leicht zu erreichen sind, womit die Attraktivität weiter gesteigert wird.
Die Uffizien, Michelangelos David und die Familie Medici locken Jahr für Jahr Millionen Touristen in die Stadt am Arno.
Ich will ja nicht als Bildungsprolet im Allgemeinen und Kunstbanause im Speziellen gelten. Aber, ehrlich gesagt – Im Zweifelsfall ziehe ich ein gutes, aufwendig gestaltetes Buch stundenlangem Warten vor den Museen vor. Die schönsten Renaissancepaläste der Stadt liegen ohnehin im Verborgenen; zu finden sind sie nur nach langem, ziellosem Umherstreifen. Das ist dann schon eher mein Métier.
Im letzten Sommer war ich schon zum dritten Mal in Florenz. Gelegentlich besuche ich natürlich ein Museum, eine Galerie oder einen der schönen, alten Stadtpaläste. Aber die meiste Zeit verbringe ich in den Cafés. Zeitungen an Holzbestecken, brodelnde Espressoautomaten, der unvermeidliche Abgasgestank von der Straße; und an der Theke erschöpfte Geschäftsleute mit gelockerten Krawatten neben ausgeschlafenen Busfahrern und kaffeeschlürfenden Hochschulprofessoren. Dazu die unvergleichlichen Preise: 40 Cent für einen Cappuccino! Urlaub, Italien, – für mich nur denkbar mit Cafés, in denen widerlich-weiße Tramezzini serviert werden und das (einzige) Gericht des Tages auf einer großen Schiefertafel hinter der Theke ausgeschrieben steht. In denen futuristisch anmutende Kaffeevollautomaten zischen und fauchen und Kellner, die etwas zu gut gekleidet sind, mit der Briefträgerin flirten…
Baile Atha Cliath bedeutet „Ort der Furt der Schilfhürde“: Der gälische Name der Stadt, deren englischer Name gerne mal von „Devil’s Inn“ hergeleitet wird – wo der Teufel haust. Damit wäre Beelzebub einer von knapp einer halben Millionen Einwohnern der größten Stadt Irlands.
Nirgendwo sonst hat sich der wirtschaftliche Aufschwung so deutlich manifestiert wie in den gleißenden Fassaden moderner Hotels und Banken entlang der Liffey. Dennoch besteht das traditionelle, kleinbürgerliche Dublin fort: Malerische, bunte Häuserfassaden und die überall präsente irische Folkmusik geben beredetes Zeugnis davon ab.

Neben den traditionellen Sehenswürdigkeiten (Trinity College, Leinster House, Dublin Castle, The Gravedigger’s) lohnt sich ein Bummel durch die lebendige Innenstadt: Die prächtige georgianische Architektur verdient einen zweiten Blick! Außerdem kann, wer einen Blick in die verschlungenen Seitenstraßen wirft, auf wunderbar altmodische Cafés und Läden stoßen.
Mit seinen unzähligen Pubs (in denen selbstverständlich traditionelle Musik-Sessions stattfinden), den vielen Theatern (das berühmteste ist das Abbey Theatre), den verschiedenen Museen (sogar die Brauerei Guinness leistet sich am Hafen ein eigenes), einigen Dutzend Programmkinos und vielem mehr hat Dublin ein beeindruckendes Freizeitangebot zu bieten, dass sich auch im Nachtleben nicht erschöpft: Mehrere Clubs dürfen ihre Türen über die Sperrstunde hinaus öffnen. Die junge, heterogene Partyszene der Stadt verführt manchen Besucher zum nächtelangen Durchfeiern…
Ein besonderer Höhepunkt im Jahr ist der “Bloomsday“: Irgendwann waren die Dubliner es leid, dass Touristen, mit Joyces „Dubliners“ in der Hand, zusammenstießen und sich böse Beulen holten. Sie organisierten kurzerhand den Bloomsday (16. Juli): Bei dieser Gelegenheit wird der Roman in verschiedenen Etablissements (nicht nur Pubs – auch die Nationalbibliothek, ein Friedhof und der berühmte Tower…) gefeiert und nachgespielt. Das hat weniger literaturwissenschaftlichen, als vielmehr feucht-fröhlichen Charakter – Joyce selbst wäre einer solchen Auslegung gewiss nicht abgeneigt gewesen…

Wer genug hat vom Großstadt-Trubel, dem bieten die nahegelegenen Wicklow Mountains, die monolithischen Grabstätten von Newgrange oder die weitläufigen Klosterruinen von Monasterboice reichlich Gelegenheiten zu Tagesausflügen. Auch die beliebten Strände sind von der Innenstadt aus in kurzer Zeit erreichbar.
Dublin ist ein irisches Kuriosum – eine facettenreiche, geschichtsträchtige Stadt, in der irische Vergangenheit und europäische Zukunft eine charmante Symbiose eingehen. Und immer einen Besuch wert! [...mehr]
In Buenos Aires hat sich in den letzten Jahren eine interessante Mutation des “Homo touristicus” entwickelt:
Der Tango-Tourist.
Dieser, meist ledige, 30- bis 40-jährige Mitteleuropäer beachtet die Sehenswürdigkeiten der 13-Millionen-Metropole gar nicht. Die Strände sieht er nur vom Flieger aus. Falls er schon mal von Borges gehört hat, dann nur, weil der argentinische Schriftsteller gelegentlich auch was über den Tango geschrieben hat.
Er quartiert sich in einem billigen Hotel ein; für die nächsten Wochen wird er die Zimmermädchen am Reinemachen hindern, weil er tagsüber schläft.
Die nächsten Wochen? Aber sicher – Tangotouristen verbringen gerne ihren Jahresurlaub in Buenos Aires.
Sie suchen die zahlreichen Milongas, die traditionellen Tanzveranstaltungen im Hafenviertel, wo der Tango vor rund 150 Jahren zwischen Armut und Niedertracht geboren wurde.
Am Nachmittag üben sie vielleicht noch eine Stunde mit einem professionellen Tanguero, dann stürzen sie sich in die erste Milonga, die gegen 18 Uhr anfängt. Die letzte endet um 6. Auf Milongas dreht sich alles um den Tango; hier wird starker, schwarzer Kaffee getrunken.
Zwölf Stunden lang tanzen, umherwirbeln, die Welt vergessen – Das “world wide web“ ist voller Seiten, in denen sich tangobegeisterte Buenos-Aires-Touristen austauschen.
Da ist die Grundschullehrerin, die einmal im Jahr in den großen Ferien für sechs Wochen in die argentinische Hauptstadt fliegt und nur noch tanzt, bis sie, völlig erschöpft, nach hause zurückkehrt und mit Erstklässlern wieder das Alphabet übt.
Oder der Bankkaufmann, der nicht nur seinen Jahresurlaub, sondern auch den größten Teil seines Ersparten in die Handvoll durchtanzter Nächte steckt, die ihm so wichtig sind.
Die Jurastudentin, die Freund, Hund und Arbeit jedes Jahr drei Wochen lang in Deutschland lässt, um ihren argentinischen Urlaub wie im Rausch durchzutanzen.
So entwickelt sich, ganz nebenher, eine kleine, passionierte Tourismusindustrie rund um Europäer, die ein wenig zuviel Rhythmus im Blut haben, als dass sie ihn in unseren Tanzschulen lassen könnten …
Das Jazzfest in Berlin, seit 40 Jahren eines der wichtigsten Jazzfestivals Europas, hatte in den letzten Jahren einen schweren Stand: Drei künstlerische Leiter zwischen 2001 und 2003 waren ein deutliches Symptom für den unterschwelligen Konflikt um die inhaltliche Ausrichtung. Bislang hat die Qualität der Festivals nicht allzu sehr gelitten, noch immer sind die Jazzfeste eine der obligatorischen Hörens-Würdigkeiten eines Berlin-Besuchs im November.
Aber tatsächlich sind die Beteiligten sich uneins, wohin es gehen soll: Mehr US-Jazz, wie zu Zeiten des Initiators Joachim-Ernst Berendt, der für das Jazzfest von 1964-70 verantwortlich zeichnete? Oder Jazz als Weltmusik, als Folklore der Unangepassten, wie es sein Nachfolger George Gruntz bis in die Neunziger propagierte? Albert Mangelsdorff wiederum, künstlerischer Leiter von 1990 bis 2000, verstärkte die europäischen Einflüsse, nicht ohne dafür heftige Kritik zu kassieren.
Danach gaben sich die Verantwortlichen die Klinke in die Hand; richtig geschadet hat es nicht, aber nach musikalischer Innovation suchte man vergeblich.
Peter Schulze ist seit 2003 im Amt; für das Jazzfest Berlin 2007 (31.10 – 4.11) hat er schwerpunktmäßig die Rehabilitation der vernachlässigten “miscellaneous instruments” angekündigt. Daneben hat die Kombo El Gusto, besetzt mit muslimischen und jüdischen Musikanten, ihre Wiedervereinigung angekündigt. Auch Ray Anderson und Michael Moore werden spielen.
“Es gibt Länder, in denen zu viel über Kunst nachgedacht wird, Deutschland zum Beispiel.”, hat Keith Jarrett jüngst gesagt. Treffend. Vielleicht sollten Jazzfest-Besucher sich den Satz zur Maxime machen. Zuhören allein ist doch auch nicht schlecht. Also, wer auf Saxophon und Co steht, sollte am Wochenende nach Berlin kommen. [...mehr]
Er ist einer der berühmtesten und vermutlich der meistbesuchte Friedhof der Welt: Der Père Lachaise im Osten der Pariser Innenstadt zieht bis heute jährlich hunderttausende Touristen in seinen Bann.
Dabei war er zu Beginn des 19ten Jahrhunderts eher als Ausweichfriedhof für die Metropole, der es an geeigneten Grabstellen mangelte, gedacht. 1804 fand das erste Begräbnis statt. In den folgenden Jahrzehnten wuchs die Hauptstadt, und mit ihr wuchs auch der Père Lachaise. Ursprünglich außerhalb der Stadtgrenzen gelegen, war er bald von einem dichten Straßennetz und mehrstöckigen Mietshäusern umgeben. Inzwischen überquert ihn sogar eine Straße.
Zwar kann er es längst nicht mit der idyllischen, naturverbundenen Schönheit beispielsweise der alten Wiener Friedhöfe aufnehmen. Doch die Zahl der hier bestatteten Künstler, Politiker und anderer Personen des öffentlichen Lebens ist enorm. Hier finden sich, neben vielen anderen, die Grabstätten von Oscar Wilde, Honoré de Balzac, Maria Callas, Fréderic Chopin, Eugène Delacroix, Gustave Doré, Edith Piaf, Marcel Proust und Jim Morrison.
Besonders das Grab von Doors-Sänger Morrison ist zum ständigen Pilgerort der Touristen geworden. Pariser Jugendliche lassen sich gelegentlich nachts einschliessen, um an Morrisons Grab Parties zu feiern. Natürlich nicht zur Freude der Pariser: 2005 dachte die Stadtverwaltung sogar darüber nach, Morrisons sterbliche Überreste nach Amerika zu bringen. Inzwischen hat man sie
davon abgebracht. Der Père Lachaise ist ein Wahrzeichen der Seinestadt, und Morrisons Grab mit den leeren Flaschen und den verschmierten Graffiti gehört eben irgendwie auch dazu. [...mehr]
Das Hotel Adlon in Berlin feiert hundertjährigen Geburtstag. Eigentlich ein Ereignis, das nicht allzu viele Menschen betrifft. Aber in diesem Fall war es den Berliner Zeitungen einige Schlagzeilen wert, und sogar das U-Bahn-Fernsehen in den Eingeweiden der Hauptstadt erwähnte stolz den Jubilar. Vielleicht passt das legendäre Grand Hôtel einfach gut zur momentanen Aufschwungs-Euphorie und den deutschen Nobelpreisen. Vielleicht drückt sich in dem seltsamen, kollektiven Stolz auf ein Luxushotel das Bedürfnis nach gemeinsamer Geschichte aus.
Doch die Entdeckung des Adlon als deutsches Kulturgut fand durchaus nicht erst 2007 statt. Schon bei der ersten Gründung im Jahr 1907 berauschte Berlin sich an der Eröffnung des ersten Grand Hotels auf deutschem Boden: „Während des gestrigen Tages hatten Kaiser, Kaiserin, Prinzessinnen und Prinzen den prächtigen Hotelbau besichtigt und Herrn Adlon ihre Anerkennung des hier Geschaffenen in ehrendster Weise ausgesprochen.“, jubelte die „Vossische Zeitung“.
In den folgenden Jahrzehnten erlebte das Haus seine Blütezeit. Berühmte Namen wie Thomas Mann, Bertold Brecht, Charlie Chaplin, Albert Einstein, Henry Ford und Marlene Dietrich verliehen dem Gästebuch die Exklusivität, nach der man sich so lange gesehnt hatte – endlich hatte die Berliner High-Society einen Ort, einen Tempel, worin die Reichen und Prominenten sich dem schaulustigen Volk opfern konnten. In den 20ern, als Berlin die Kunsthauptstadt Europas war, war das “Hotel Adlon Kempinksi” deren Herz.
Mit den Nationalsozialisten sank der Stern des internationalen, elitären Etablissements; für amüsante Anekdoten sorgte jetzt statt Künstlern und Filmschaffenden der Reichsjugendführer. Der Glamour war dahin. Zwei Tage vor Kriegsende brannte das Hotel unter ungeklärten Umständen bis auf ein Seitengebäude ab.
Die DDR hatte wenig übrig für Luxushotels, sie machte aus dem ehemaligen Adlon kurzerhand ein Lehrlingsinternat.
Erst nach dem Fall der Mauer wurde das Hotel Adlon wieder aufgebaut. 1997 durfte Bundespräsident Roman Herzog den Neubau eröffnen. Ein Gemeinplatz deutscher (Gastronomie-)Kultur wurde wiedereröffnet, jetzt feiert das Adlon seinen hundertsten Geburtstag. Dass es insgesamt nicht mal ein halbes Jahrhundert betrieben worden ist, zählt da wenig – ein Mythos schert sich nicht um Zahlen. [...mehr]
Mit seinem reichhaltigen Kultur- und Freizeitangebot hat sich die österreichische Hauptstadt Wien über die Jahre zu einer der beliebtesten Touristenstädte Europas entwickelt. Kein Wunder, strahlt die Stadt, die jahrhundertelang die Grenze zwischen Orient und Okzident markierte, doch immer noch im Schein ihrer glanzvollen Vergangenheit: Stephansdom, Staatsoper und Hofburg, Ringstraße, Albertina und Riesenrad, die prächtige Altstadt (Weltkulturerbe!) und die Kärntnerstraße mit ihren traditionellen Geschäften stehen beispielhaft für die Sehenswürdigkeiten Wiens, die damit noch lange nicht erschöpft sind: So kann man etwa auf Dr. Freuds Couch lümmeln (Berggasse 19), Probeliegen im Sargmuseum oder vom größten Schokoladenbrunnen Österreichs naschen (Erstes Wiener Schokoladenmuseum). Unter anderem findet in der österreichischen Hauptstadt auch eine große Outdoor-Messe statt.
Wer literarische Konversation gern mit einem Kaffee verbinden möchte, ist in einem der zahlreichen Kaffeehäuser bestens aufgehoben – aber Vorsicht! Mit „Einen Milchkaffee/Cappuccino/Espresso, bitte!“ kommt man in dieser Stadt nicht weit: Vielmehr empfiehlt es sich, einen kleinen oder großen Schwarzen, einen Kapuziner, einen Verlängerten, eine Melange oder eine Schale Gold zu verlangen. Andernfalls verdient man sich höchstens einen schrägen Blick vom Herrn Ober (so nennt man dort die Kellner). Was die literarische Konversation betrifft: Ob man sie mit Anwesenden führen kann, ist wohl Glückssache; aber geschichtsträchtige Kaffeehäuser wie das Café Sperl, das Café Central, das Café Westend oder das Café Hawelka erinnern heute noch gerne an alte Gäste wie Alfred Polgar, Arthur Schnitzler, Karl Kraus oder Egon Erwin Kisch.
Neben dem Mozartjahr 2006 sorgen auch die Weihnachtsmärkte im Dezember oder der berühmte Kaiserball für beständig steigende Besucherzahlen: „Wir haben jetzt vier Besucher-Rekordjahre in Serie gehabt und auch heuer sind wir sehr gut auf Kurs“, verkündet Vizebürgermeisterin Renate Brauner zuversichtlich. Für das Jahr 2010 peilt man die magische Marke von 10 Millionen Übernachtungen an. Dabei hat die Stadt in den letzten Jahren eine originelle Vermarktungsstrategie entwickelt: Je weiter weg, umso mehr wird mit traditionellen Wiener Inhalten geworben – in der unmittelbaren Umgebung Österreichs, Deutschlands oder Italiens wirbt man aber mit dem neuen, „hippen“ Wien: Dem aufregenden Nachtleben beispielsweise, oder dem schwulen Wien.
Wer jetzt nur noch einen geeigneten Vorwand sucht, der sei an die kommende Fussball-EM (7.-29. Juni) erinnert. Spätestens mit diesem Großereignis werden Bilder aus Wien in der ganzen Welt für Aufregung sorgen. [...mehr]













